Modulo3_KHEIRON_DE
Die Chancen, die generationenübergreifendes Mentoring bieten kann, wenn diese geschlechtsspezifischen Herausforderungen gut begleitet werden, sind vielfältig: Räume für Dialog, gegenseitiges Lernen und die historische Anerkennung feministischer Kämpfe. Wiederannäherung zwischen den Generationen auf der Grundlage von Respekt und Zuhören. Aufbau vielfältiger, affektiver und transformativer Bezugspersonen und Vorbilder. Praktisches Beispiel zum Verständnis geschlechtsspezifischer Herausforderungen in generationenübergreifenden Kontexten Luis, ein 68-jähriger Mentor, begleitet Alba, ein 14-jähriges trans Mädchen. Luis hat gute Absichten, spricht jedoch von „früher, als du ein Junge warst“ und verwendet falsche Pronomen. → Der Mentor sollte grundlegende Schulungen und Reflexionsräume ermöglicht bekommen, in denen er ohne Angst vor Verurteilung sprechen kann, um sein Mentoring hin zu einer respektvollen und diskriminierungsfreien Praxis zu entwickeln UnbewussteVorurteile inMentoring-Beziehungen Unbewusste (oder implizite) Vorurteile sind automatisch entstehende mentale Verkürzungen, die wir zur Verarbeitung von Informationen nutzen und die auf internalisierten Stereotypen und Vorannahmen beruhen. Im Mentoring beeinflusst das: Auswahl von Mentor*innen und Mentees: wem Mentoring angeboten wird und wem nicht. Inhalte und Stil des Mentorings: welche Ratschläge gegeben werden und in welchem Ton. Zugänge zu Netzwerken und Fördermöglichkeiten: wer Zugang zu Einflusskreisen erhält. Diese unbewussten Abgrenzungen können sich auf unterschiedliche Weise manifestieren, zum Beispiel. 1.Geschlechterrollen und -stereotype Annahme, dass Frauen weniger durchsetzungsfähig oder ehrgeizig sind, und ihnen daher „sicherere“ oder weniger sichtbare Herausforderungen angeboten werden. Annahme, dass Männer von Natur aus Führungspersönlichkeiten sind, wodurch für sie gezielt wirkungsstarke Chancen verstärkt werden. 2. Doppelte Verhaltensstandards Kritik an Frauen, wenn sie Durchsetzungsvermögen zeigen („zu aggressiv“), während dasselbe Verhalten bei Männern gelobt wird („entschlossen“). Die Zweifel oder Unsicherheiten von Frauen werden als „mangelndes Selbstvertrauen“ abgetan, während dieselbe Haltung bei Männern als „berechtigter Zweifel“ interpretiert wird. 3.Kommunikation und Feedback Vages oder übermäßig schützendes Feedback an weibliche Mentees („Du machst das toll!“) im Gegensatz zu direktem, ergebnisorientiertem Feedback an männliche Mentees. Verwendung affektiver oder persönlicher Sprache („Du bist sehr nett“) statt einer Fokussierung auf die berufliche Leistung. Oder Verwendung von paternalistische Kommunikation, die Frauen allein aufgrund ihres Geschlechts infantilisiert, oder ältere Personen allein aufgrund ihres Alters anders behandelt. 08
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