Modulo3_KHEIRON_DE
Mercedes Bengoechea stellt fest, dass es – ebenso wie unsere Gesellschaft auf Strukturen aufgebaut ist, die hierarchisieren und diskriminieren – normal ist, dass auch unsere Art zu kommunizieren darauf ausgerichtet ist, diese Hierarchien aufrechtzuerhalten, und dass unsere Glaubenssysteme uns dazu bringen, Elemente, die ungerecht sein können, als normal wahrzunehmen, weil unsere begrifflichen Rahmen auf Ungleichheit basieren (Martín, 2019). Das Mächtigste dabei ist der Einfluss der Sprache, Aspekte unseres Denkens wie Schlussfolgerungen oder Entscheidungen zu verändern; vor allem aber – und das steht im Mittelpunkt dieser Arbeit – kann Sprache Überzeugungen und Vorstellungen verändern (Sigman, 2022). DenkenundSprache Inwiefern Sprache – oder ihre unterschiedliche Verwendung – die Art und Weise beeinflussen kann, wie Gesellschaften denken oder Realitäten schaffen, fragt sich auch Lera Boroditsky (2018), ebenso wie nach den Folgen, die sprachliche Strukturen für das Denken der Menschen haben können. Sie kommt zu dem Schluss, dass Sprache das Denken formt, und führt dazu mehrere Beispiele an, insbesondere im Zusammenhang mit dem grammatikalischen Geschlecht. In Sprachen wie dem Spanischen oder Deutschen, in denen alle Substantive – alles Benennbare – ein grammatikalisches Geschlecht haben, kann dies unter anderem folgende Konsequenzen haben: Der Mond hat im Spanischen ein weibliches grammatikalisches Geschlecht und ist in unserem begrifflichen Rahmen stark mit Weiblichkeit verknüpft; in Kindergeschichten wird er sogar mit Wimpern dargestellt (als hätten Männer keine). Im Deutschen hingegen ist die Sonne grammatikalisch feminin und der Mond maskulin. Boroditsky und ihre Experimente kommen zu dem Schluss, dass eine deutschsprachige Person die Sonne mit Attributen beschreiben würde, die mit Weiblichkeit verbunden sind, während eine spanischsprachige Person dies umgekehrt tun würde. Wie problematisch ist es, dass alles, was benannt werden kann, ein grammatikalisches Geschlecht – männlich oder weiblich – trägt, mit all seinen Konnotationen und Stereotypen? 12
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